Date: Montag, 18. Dezember 2017

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Die Stadtwerkekonferenz von EUROSOLAR zu Gast in Schwäbisch Gmünd

Stadtwerke als Innovationstreiber einer dezentralen und bürgernahen Energiewende – unter diesem Motto fand am 10. und 11. Mai 2017 die 11. Ausgabe der Stadtwerke-Konferenz von EUROSOLAR in Schwäbisch Gmünd statt. In Kooperation mit den Stadtwerken Schwäbisch Gmünd GmbH wurde der Frage nachgegangen, wie Stadtwerke vom Wandel des Energiesystems profitieren können und sich fit für den Energiemarkt von morgen machen.


Mittwoch, 10. Mai 2017

Eröffnet wurde der erste Konferenztag durch Grußworte von Oberbürgermeister Richard Arnold und Margit Conrad, StM a.D. (Vorstand von EUROSOLAR e.V.), die die über 100 Fachbesucher aus ganz Deutschland in Schwäbisch Gmünd begrüßten.

Zum Auftakt sprach Helmfried Meinel (Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) und stellte die landespolitische Strategie der Schwaben dar: „Die Energiewende in Baden-Württemberg ist in vollem Gang und bietet den Unternehmen im Land beträchtliche wirtschaftliche Chancen. Kommunale Energieversorger haben in der Vergangenheit wesentlich zum dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen und werden auch in Zukunft wichtige Partner bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort sein."

Rainer Steffens (Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Gmünd) hob im Anschluss die Rolle der Stadtwerke für eine umweltfreundliche und bürgernahe Versorgungsstruktur hervor: „Die Stadtwerke haben in der künftigen Energieversorgung eine Schlüsselposition, weil die Energiewende zum übergroßen Teil in den Verteilernetzen stattfindet. Zudem ist den Bürgern mehrheitlich nicht präsent, was jeder einzelne zum Gelingen der Energiewende beitragen kann. Als kommunaler Versorger sehen wir uns bei unseren Kunden in der Pflicht, hierbei zu unterstützen.“

Unter der Überschrift „Konvergenz der Energiemärkte – Flexible Erzeugung von Strom und Wärme“ erläuterten Martin Willige (Key Account Manager bei Ritter XL Solar GmbH) und Bene Müller (Vorstand der Solarcomplex AG) das sinnvolle Zusammenwirken von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Solarthermie in Wärmenetzen. Es wurde deutlich, dass erneuerbare Wärmenetze - auf Basis heimischer Erneuerbarer Energien - einen enormen Beitrag zur Wärmewende leisten können, da sie Klimaschutz und regionale Wertschöpfung vereinen. Insbesondere Bene Müller überzeugte mit seinem Vortrag und seinem Erfahrungswissen das Publikum.

Nach der Mittagspause hielt Dr. Holger Krawinkel (Leiter Customer Experience der MVV-Energie AG) einen Impulsvortrag über digitale Geschäftsmodelle und die Sicht der Kunden. Laut einer Studie von EUPD-Research wünsche sich ein großer Teil der Kunden 100 Prozent Autarkie in der Energieversorgung. Rund die Hälfte der Kunden präferiere dabei Lösungen aus einer Hand. Krawinkel veranschaulichte aber auch, dass die Versorger sich aktuell in einer von ihm als Dilemma-Zone bezeichneten Phase zwischen der alten und der neuen Energiewelt befinden. Diese zeichne sich dadurch aus, dass etablierte Technologien weiterhin Gewinne abwerfen, der Politik noch der Glaube an den Technologiedurchbruch fehle und es den Geschäftsmodellen der Erneuerbaren noch an Durchsetzungs- und Ertragskraft mangelt. In Bezug auf die energiewirtschaftliche Regulierung zeigte er sich kritisch gegenüber Bürokratisierungstendenzen und forderte, dass hinter dem Zähler (also beim Kunden zuhause) die präferierten Lösungen ohne Hemmnisse etabliert werden können.

Darauf aufbauend wurden Erfahrungen aus der Praxis der Lumenaza GmbH und der Caterva GmbH dem Publikum vorgestellt. Hier standen vor allem P2P-Energiemärkte in Form von Lokalstromangeboten und intelligent vernetzte Stromspeicher im Zentrum der Vorträge.

Am Nachmittag wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage diskutiert: „Wie können Städte und Kommunen von der Energiewende profitieren?“. In der lebhaften Debatte wurde deutlich, dass für eine dezentrale und regionale Energiewende, Stadtwerke die wichtigsten Player vor Ort darstellen. „Stadtwerke vor Ort sind flexibel, innovativ und genießen als kommunale Unternehmen ein extrem hohes Vertrauen der Bevölkerung. Deshalb sind sie der natürliche Treiber der Energiewende und können die sich bietenden Chancen ideal nutzen“ so Dr. Achim Kötzle (Vorsitzender des VKU-Baden-Württemberg e.V.).

Dr. Fabio Longo (Vizepräsident von EUROSOLAR e.V.) ergänzte: „Die politischen Rahmenbedingungen müssen mit einer ‚Neuen Energiemarktordnung‘ endlich die Weichen in diese Richtung stellen.“ Einigkeit bestand in der Analyse, dass die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur einseitig auf überteuerte HGÜ-Trassen setzen und der Gesetzgeber die notwendigen Weichenstellungen für Investitionen in moderne und starke Verteilnetze vernachlässige.

Nach dem inhaltlichen Programm des ersten Tages wurde auf Einladung der Stadtwerke Schwäbisch Gmünd eine Führung zur naheliegenden Wallfahrtsstätte St. Salvator angeboten. Im Rahmen einer Abendveranstaltung in der Gmünder Wissenswerkstatt haben Gäste und Referenten den Tag gemütlich ausklingen lassen.


Donnerstag, 11. Mai 2017


Zu Beginn des zweiten Konferenztags stand das aktuell heiß diskutierte Thema Mieterstrom im Zentrum. Florian Henle (Geschäftsführer und Mitbegründer der Polarstern AG) lieferte einen Impuls zu Strategien, Konzepten und Perspektiven von Mieterstrommodellen. Er machte klar, dass Stadtwerke auf Mieterstrom setzen sollten, da hier enormes Potential für eine regionale und soziale Energiewende bestehe. Dabei sei seitens der Versorger zwar ein erhöhter Aufwand notwendig, allerdings könne man so das Vertrauen zu den Kunden stärken und einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl beisteuern. 

Den praktischen Bezug stellten Beispielprojekte der Stadtwerke Heidelberg GmbH und er ABO Wind AG her. Hier wurden Erfahrungen und Lösungen zu Mieterstrom in einem Mehrparteienhaus und in einem Gewerbepark präsentiert und gemeinsam diskutiert. Hinsichtlich des aktuellen Gesetzgebungsverfahrens wurde erneut das Thema Bürokratisierung aufgegriffen. Trotz unterschiedlicher Präferenzen der Referenten, ob sie eine Befreiung von der EEG-Umlage (wie in der Verordnungsermächtigung im EEG2017 angelegt) oder ein Mieterstromgesetz befürworten, war man sich in einem Punkt schnell einig: der vorliegende Gesetzentwurf begrenzt das Potential lokaler Mieterstromprojekte ohne Not und stellt hohe bürokratische Anforderungen an die Akteure, die vermieden werden könnten.

In dem abschließenden Themenblock „Nicht ohne unsere Bürger – Energieprojekte gemeinsam und erfolgreich realisieren“ stellte Christian Schmidt (Geschäftsführer von Sterr-Kölln & Partner mbB) verschiedene Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung unter dem EEG 2017 vor. Im Anschluss wurden faire White-Label-Lösungen für Stadtwerke von der BayWa r.e. Solar Energy Systems GmbH präsentiert, die Stadtwerken die Möglichkeit geben, aktiv und erfolgreich im Bereich privater PV-Hausdachanlagen teilzuhaben und so ihren Kunden attraktive Lösungen anzubieten. Die IBC SOLAR AG zeigte für Stadtwerke und Genossenschaften die Perspektive auf, kleine Solarparks außerhalb des Ausschreibungsregimes zu verwirklichen. Dass Ausschreibungen die Möglichkeiten zur Teilhabe massiv einschränken, wurde von keinem der Referenten bezweifelt. Entscheidend sei, dass man sich gezielt und konsequent darüber im Klaren ist, wie Beteiligung funktionieren kann und welche Ziele damit verfolgt werden.   

Dr. Axel Berg (Vorsitzender von EUROSOLAR Deutschland) schloss in seinem Fazit die Konferenz mit der Bemerkung ab: „Stadtwerke packen die Energiewende an, die Politik muss jetzt den passenden Rahmen bereitstellen.“


Impressionen der Konferenz

Download_Konferenzbroschüre (pdf)

 

Die Präsentationen der 11. EUROSOLAR-Konferenz:

Die Präsentationen können als PDF-Portfolio heruntergeladen werden. Das Dokument ist passwortgeschützt. Als Teilnehmer haben Sie Ihr Passwort bereits per Mail erhalten. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Download_PDF-Portfolio mit Präsentationen (passwortgeschützt)

 

Über die Konferenzreihe:

EUROSOLAR e.V. veranstaltet die Konferenzreihe bereits seit dem Jahr 2006 in Kooperation mit wechselnden Stadtwerken in der gesamten Bundesrepublik. Wir rücken seit jeher die Erneuerbaren Energien und die Akteure einer umweltfreundlichen und verbrauchernahen Energieversorgung in den Mittelpunkt. Stadtwerke nehmen eine zentrale Rolle in einer Neuen Energiemarktordnung ein, für die sich EUROSOLAR aktiv einsetzt.

Unsere Konferenz zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Chancen und Herausforderungen der Energiewende für Stadtwerke differenziert und konsequent diskutieren und Einblicke aus Wissenschaft, Politik, Praxis und Gesellschaft verbinden, um gemeinsam mit den Teilnehmern umfassende Antworten auf aktuelle Fragen zu finden. Profitieren Sie von dieser Erfahrung, seien Sie in Schwäbisch Gmünd mit dabei und diskutieren Sie mit uns und unseren Gästen!

Zum Konferenzarchiv

 

Die Zielgruppen:

  • Energieversorger und Energiedienstleister, insbesondere Stadtwerke
  • Unternehmen der regenerativen Energiewirtschaft
  • Investoren, Banken und Unternehmensberatungen
  • Anlagenbetreiber und Projektierer
  • Städte, Gemeinden und Kreise
  • Verbände, Organisationen, Genossenschaften
  • Lokale Vereine im Bereich der Erneuerbaren Energien
  • Engagierte Bürgerinnen und Bürger